
Osteopathie (allgemein)
Was
ist Osteopathie?
Sie
ist zugleich Philosophie, Wissenschaft und Kunst. Die Schulmedizin erkennt sie
ganz offiziell als Therapieform an und sieht sie als gute Ergänzung zu ihrer
eigenen Arbeit.
Begründet
wurde diese Therapie- und Heilmethode 1874 von A. T. Still.
Was
ist die Grundlage der Osteopathie?
Es
ist das Wissen um die Wechselbeziehungen zwischen inneren Organen, Knochen und
Gelenken.
Welches
Denken liegt der Osteopathie zugrunde?
Bewegung
ist Ausdruck von Lebenskraft, die sich als Funktionieren des Körpers äußert!
Der menschliche Körper ist dazu geschaffen, ein Leben lang fehlerlos zu arbeiten
und seine normalen Funktionen aufrecht zu erhalten – also gesund zu sein. Das
funktioniert, solange er genügend Nahrung, Wasser und lebenserhaltende
Grundstoffe zur Verfügung hat. Zu Fehlfunktionen kommt es nicht wegen
mangelhafter Ausstattung, sondern dann, wenn er nicht mit den notwendigen
Bausteinen versorgt wird oder er von seinem „Betreiber“, dem Nervensystem,
fehlerhafte Anweisungen erhält.
Osteopathie
ist ganzheitliche Medizin, die der Diagnose und Behandlung von Funktionsstörungen
dient.
Von
welchen Prinzipien gehen Osteopathen aus?
Von
folgenden drei Prinzipien.
Das
erste Prinzip:
Der
Mensch ist eine Einheit aus Körper, Seele und Geist.
Knochen,
Muskeln, innere Organe, Gewebe, Nerven und Körperflüssigkeiten (Blut, Lymphe,
Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit) sind durch Kreisläufe miteinander verbunden,
die Botschaften und Körperreaktionen weiterleiten. Auch die
Faszien (Häute, die Muskeln,
Knochen, Organe und Blutgefäße umkleiden) dienen als Verbindungs- und Übertragungsweg.
Es
entstehen enge Wechselbeziehungen - zum Beispiel zwischen dem Bewegungsapparat und
den inneren Organen. Werden diese Wechselbeziehungen gestört, kommt es zu
Befindlichkeitsstörungen und im schlimmsten Fall zu einer Krankheit.
Das
zweite Prinzip:
Der
Körper ist imstande, sich selbst zu regulieren, zu heilen und gesund zu erhalten.
Der
Körper kann störende Einflüsse wie Stress, Verletzungen oder Krankheitserreger
neutralisieren. Das geschieht oft unbewusst und auf sehr unterschiedliche Weise,
wobei die Abwehrzellen des Immunsystems sowie Endorphine und andere körpereigenen
Substanzen helfen.
Viele
Menschen kompensieren ihre Anspannung im Beruf, indem sie sich in der Freizeit
„abreagieren“, zum Beispiel mit Sport. Der Organismus hilft sich oft auch
selbst: Kleine Wunden schließen sich innerhalb weniger Tage und heilen ab. Viele
Krankheitserreger werden vom Immunsystem abgewehrt, so dass z. B. eine Erkältung
nach kurzer Zeit wieder abgeklungen ist.
Das
funktioniert aber natürlich nicht immer. Schon A. T. Still, 1874 der Begründer
der Osteopathie, schrieb in seiner Autobiografie: „Krankheiten können
entstehen, wenn die Abwehr- und die Selbstheilungskräfte eines Menschen durch
viele kleine Belastungen erschöpft sind.“ Ist es dazu gekommen, ist
qualifizierte Hilfe erforderlich.
Das
dritte Prinzip:
Struktur
und Funktion beeinflussen sich wechselseitig.
Körperstrukturen
im osteopathischen Sinn sind die weiter oben schon erwähnten Knochen, Muskeln,
Organe, Nerven, Gewebe und Faszien sowie die Körperflüssigkeiten
Funktionen
sind die physiologischen Prozesse wie zum Beispiel die Durchblutung, die Verdauung
oder der Monatszyklus der Frau. Auch die körperlichen Fähigkeiten und die
seelische Stärke gehören dazu.
Strukturen
und Funktionen stehen in einer engen Wechselbeziehung. Was damit gemeint ist, wird
am folgenden einfachen Beispiel deutlich:
Muskeln
dienen dazu, Bewegungen auszuführen. Ihre spezifische Struktur erlaubt ihnen,
genau diese Funktion wahrzunehmen. Je mehr ein Muskel gefordert wird – also je
mehr Funktion ihm abverlangt wird – desto größer und stärker wird er. Er wächst
und verändert seine Struktur. Beispiele sind die Bizeps und das Sportlerherz.
Und
so ist es mit allen anderen Wechselbeziehungen im menschlichen Körper auch. Eine
Sache hat viele Wirkungen: Magenprobleme beispielsweise können viele Ursachen
haben – die Palette reicht vom Verzehr verdorbener Nahrungsmittel bis hin zu
psychischen Störungen.
Wie
behandelt der Osteopath?
Er
erkennt gestörte Funktionen als beeinträchtigte Bewegungen der Struktur. Mit
seinen manuellen Techniken hilft er der Struktur zu ihren ursprünglichen
Bewegungen zurück. Er erspürt also
Krankheitsursachen und behandelt Beschwerden. Seine genauesten Kenntnisse der
Anatomie und Physiologie, sein tiefreichendes Wissen über die komplexen
Wechselbeziehungen im menschlichen Körper und seine ganzheitliche
Betrachtungsweise bieten ihm sehr gute Voraussetzungen, die Ursachen zu finden und
mit geeigneten Methoden Linderung oder Abhilfe zu schaffen. Oft genügen dazu
sanfte Handgriffe, mit denen Verspannungen in Muskeln, Gelenken und Geweben gelöst
werden.
Weil
er sich insbesondere auch mit den Selbstheilungskräften des menschlichen Körpers
befasst, kann er auch auf diesem Gebiet wertvolle Hilfe bieten.
Soweit
sinnvoll, arbeitet der Osteopath auch in dieser Disziplin eng mit dem Arzt
zusammen.